08.08.2008
Auf der Mauer, auf der Lauer...
Am Tag der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele stand für die 35 Fair Play Botschafter statt Sport Kultur auf dem Programm - was wäre schließlich ein Aufenthalt in China beziehungsweise Beijing ohne einen Besuch der Chinesischen Mauer?
Somit gingen die Botschafter bereits am frühen Morgen auf Erkundungstour der Chinesischen Mauer bzw. eines geringen Abschnitts hiervon. Die „Große Mauer“ erstreckt sich über eine Länge von ungefähr 6800 Kilometer bis in die Innere Mongolei und ist an verschiedenen, teils restaurierten Abschnitten, zu bestaunen. Schon 200 v. Chr. begann nach der Einigung Chinas der Bau des Schutzwalls, der zum Schutz gegen die aus dem Norden kommenden Nomaden errichtet wurde. Begleiter wurden sie von den beiden Sportpfarrern Thomas Weber und Hans-Gerd Schütt, die im Olympischen Dorf den deutschen Athleten zur Verfügung stehen.
Wegen Trainingseinheiten der Rennradfahrer an der eigentlich geplanten Stelle Badaling, fuhren sie zum „Geheimtipp“ Mutianyu, wo sich bereits zahlreiche Touristen und Touristenstände tummelten. „Look, look, one dollar, one dollar“ und weitere Rufe empfingen die Botschafter, um sie davon zu überzeugen, Fächer, T-Shirts oder auch Fellmützen (besonders praktisch bei den hiesigen Temperaturen) zu erwerben. Die doch längere Wartezeit nutzten die Fair Play Botschafter, um mit anderen Besuchern verschiedenster Länder in Kontakt zu treten und sich über den Fair Play Gedanken auszutauschen.
Eine Gondel brachte sie in luftige Höhen, wo ein beeindruckender Blick auf die Große Mauer und eine atemberaubende Landschaft wartete. Auf der Mauer wurde die Geschichte lebendig und in den Wachttürmen und Burgzinnen konnte man sich nur allzu gut vorstellen, wie man sich z.B. per Signalfeuer aus getrocknetem Wolfskot untereinander verständigte und auf der Lauer lag, um aus dem Norden kommende Nomaden abzuwehren.
Als sich die Fair Play Botschafter in einheitlicher Kleidung und mit dem Fair Play Banner zum Gruppenfoto versammelten, wurde offensichtlich, dass die chinesische Polizei auf der Lauer gelegen hatte. Sie wollte das Gruppenfoto sofort verhindern filmte und beobachtete die Gruppe bis zum Ausgang. Selbst die chinesische Übersetzung von Fair Play und die Beteuerungen unseres chinesisch sprechenden Teilnehmers Zchichao Sun brachte sie nicht von der Idee ab, alles ganz genau im Blick zu behalten.
Nach den etlichen Stufen und vielem Auf und Ab auf der Mauer stärkte sich die Gruppe in einem traditionellen chinesischen Restaurant auf der Strecke zurück in die Hauptstadt. Manch einer erfreute sich neben den servierten Speisen wie Reis, Süßkartoffeln oder Gemüse auch an dem einen oder anderen Hühnerfuß.
Da alle großen Plätze und Straßen in Beijing abgesperrt waren, um größere Versammlungen während der olympischen Eröffnungsfeier zu vermeiden, folgten die Fair Play Botschafter der Einladung in die Deutsche Botschaft, um die Eröffnungsfeier auf Großbildleinwand auf „heimischen“ Boden zu verfolgen. Die perfekt inszenierte Feier und der Einmarsch der deutschen Athleten machte klar: Jetzt war es tatsächlich soweit: Die Olympischen Sommerspiele 2008 hatten begonnen! Und wir waren mittendrin!
Susanne Gaerte


