Aktuelle Ausgabe
Zum Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe - mit Leseproben
Der nationale Fußballrausch zum Ende der Saison ist gerade abgeebbt, da geht die Fieberkurve internationaler Fußballerwartungen bereits steil nach oben. Die Weltmeisterschaft in Südafrika kann und soll, liebe Leserinnen und Leser, auch vom OF nicht ignoriert werden. Natürlich ist kein Fachgeplänkel um Mannschaftsbefindlichkeiten, Titelambitionen und Versagensbefürchtungen unser Ansinnen. Es geht viel- mehr um die politischen Dimensionen und sozialen Auswirkungen dieses ersten sportlichen Weltereignisses auf dem schwarzen Kontinent. Außerdem präsentieren wir in der OF- Galerie Kunst zur Fußball-WM, die die FIFA in allen Teilnehmerländern angeregt hatte. Kompatibel zum OF-Titel sozusagen, den Illustrator Hans Borchert in künstlerischer Freiheit ebenfalls einem hoffentlich neuen fußballerischen Sommermärchen gewidmet hat.
Klar, dass unser redaktionelles Angebot in gewohnter und bewährter Weise die Welt des Sports fernab aller flüchtigen Betrachtungen und medialen Eintagsfliegen ins Visier nimmt. Da wird nicht nur aus berufenem Mund die Beziehung von Kirche und Sport als ebenso notwendig wie stark beschrieben. Auch die Leistungskultur des Sports zwischen olympischem und jesuanischem Menschenbild erfährt kritische Aufmerksamkeit. Sie gipfelt in der Warnung vor der Gefahr der Selbstzerstörung. Und zwar nicht nur mit Blick auf die hochleistungssportlichen Exzesse und ihre betrügerischen Begleiterscheinungen. Gleichrangig wird die Wiederbesinnung auf sportliche Maßstäbe gegenüber der galoppierenden Besinnungslosigkeit in der sportverbrämten Unterhaltungsindustrie angemahnt.
Ein gesamtgesellschaftliches Problemthema von höchster Brisanz wird ebenfalls nicht ausgeklammert. Denn auch im Sport gibt es sexuellen Missbrauch mit dramatischen Folgewirkungen, die Ursachenforschung und Konsequenzen dringend geboten erscheinen lassen. Selbst der in dieser Ausgabe umfangreich beleuchtete Themenkomplex der Nachwuchsförderung im Sport und durch den Sport hinterlässt keineswegs nur positive Erkenntnisse. Denn da mag der künftigen Elite noch so große Aufmerksamkeit und effektive individuelle Fürsorge zuteil werden - in der allgemeinen Bewegungsförderung von Kindern und Jugendlichen liegt Vieles im Argen. Zu große diesbezügliche Bildungslücken in Kindergarten und Schule passen nicht zum leistungssportlichen Hätschelkurs für die vergleichsweise wenigen Medaillenaspiranten von morgen und übermorgen. Immer wieder neu: Das Gesellschaftsphänomen Sport im Licht wie im Schatten. Wir bleiben allen Effekten und Entwicklungen hartnäckig auf der Spur.
Ihr Harald Pieper
Chefredakteur

