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Fairplay meint Respekt und Selbstverantwortung

News vom 20.10.2010

Ist Fairplay eine spontane Geste und keine Haltung? Ist es ein idealistischer Anspruch an Qualität und Güte, der durch die Realität ausgeblendet wird? Ist es gar eine Überlebensfrage für die Gesellschaft und die Sportbewegung? Beim Olympischen Abend der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG) jüngst in der Industrie- und Handelskammer in Frankfurt war eine sechsköpfige berufene Runde aufgeboten, um den Grundwert des Zusammenspiels auszuleuchten. Sport-Management-Professor Gerhard Trosien (Universität Heidelberg) arbeitete heraus. Der Sport hat sich das Grundwerte-Thema weitgehend aus der Hand nehmen lassen. Zehn Jahre existiert eine Fairness-Stiftung in Frankfurt, die Sport nur am Rande berührt. "Warum ist die DOG nicht diese Fairness-Stiftung?" 1990 formierte sich die Fairplay-Initiative des detuschen Sports. Sportjugend, Nationales Olympisches Komitee und DOG trugen sie. Leitmotiv: "Fair geht vor", damals ein Markenzeichen. Heute hat Fairness überall Konjunktur. In den Medien ("Hart aber fair"), in der Wirtschaft (fairer Handel, Fairtrauen). Doch die Sportbewegung bekommt die Botschaft nicht mehr geschlossen und wertbeständig auf die Reihe.

Die DOG findet kaum mehr Gehör. Fachverbände ignorieren das Leitmotiv. Die Stiftung Deutsche Sporthilfe verfolgt ihr eigenes: Leistung, Fairplay, Miteinander. Trosien, früher selbst hauptamtlicher Mitarbeiter im Deutschen Sportbund (DSB): "Ich sehe, dass viele vieles machen, und das ist richtig". Er vermisst jedoch den Schulterschluss, die gemeinsame Linie. "Das kann nur eine konzentrierte Aktion sein. Die DOG allein zu lassen ist, nicht der richtige Weg." Bei einer neuen Fairplay-Idee müssten gerade die Verbände klotzen und nicht kleckern. Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) möchte Fairplay nicht üerhöhen: "Ich wäre schon froh, wenn die Regeln eingehalten würden. Über Fairness reden, das kann jeder. Ich erlebe immer, dass wir im Sport sehr hohe Ansprüche haben. Fairness steht im Spannungsverhältnis zu Erfolg und Leistung." (Notbremse, taktisches Foul, fitspritzen). Michael Ilgner, Geschäftsführer der Sporthilfe, betont, dass der Sport das Prinzip vorleben kann. "Der Sport kann ganz viel beisteuern. Wir glauben daran, die Renaissance von Werten nutzen zu können. Aber es gibt auch Grenzen." Junioren-Weltmeister Jan-Felix Knobel fühlt sich in der Geborgenheit der Zehnkampf-Familie als faires Mitglied - "weil jeder weiß, wie stark jeder selbst leidet." Zugleich warnte er davor, den Sportler in seiner Rolle zu überfordern. Fußball-Weltmeisterin Nia Künzer hat Fairness zuhause in der Großfamilie trainiert. "Ich glaube, dass ich mich zu 99 Prozent fair verhalte." Die Aufwertung des Frauen-Fußballs (wirtschaftlich, Medien-Fokus) in den letzten 15 Jahren verändert auch Fairplay-Gedanke und Werte-Haushalt.

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion zum Thema "Fair Play in Sport und Wirtschaft - ein Widerspruch in sich?" von links nach rechts: Gunnar Wöbke, Herbert Mai, Nia Künzer, Jan-Felix Knobel, Moderator Eike Schulz, Michael Ilgner und Michael Vesper.

Herbert Mai, Arbeitsdirektor der Fraport AG, sieht die Wurzeln in der Familie und Schule, sowie in der gegenseitigen Verantwortung und Unterstützung am Arbeitsplatz. "Es geht nur über die Zielsetzungen, die ich anstreben will." Fehler eingestehen, Integration und Leistungsbereitschaft, kulturelle Toleranz. Gunnar Wöbke warnt davor, Fairplay als höheres Ziel absolut zu setzen. Für den geschäftsführenden Gesellschafter des Basketball-Clubs Deutsche Bank Skyliners Frankfurt sind Respekt und respektvoller Umgang miteinander die bessere Grundlage neben Selbstverantwortung. Der Druck auf den Athleten, übertriebener deutscher Gerechtigkeitssinn und die emotionale Medien-Inszenierung erschweren den Umgang mit dem Fairplay-Prinzip. "Je mehr Geld im Spiel ist, umso größer wird der Druck, die Regeln einzuhalten." Michael Ilgner macht die Vorbildrolle der Sporthilfe-Förderphilosophie zum Maßstab: "Wer gegen Fairnessregeln verstößt (Doping), der muss eben Fördergelder zurückzahlen." Auch Gerhard Trosien spürt, dass Deutschland den Fairplay-Gedanken gern überhöht. "Respekt ist ein sehr guter Begriff, Fairness umzusetzen." In jedem Fall geht es darum, Fairplay vorzuleben und von der Pike auf zu lernen - integrativ und vor Ort. Für diese erzieherische Wertarbeit steht die DOG seit fast 60 Jahren. 

 

Quelle: Darmstädter Echo, 15.10.2010, von Hans-Peter Seubert