Aktuelles

26.07.2017
Berlin

Berliner DOG plant Schulprojekt mit Olympia- und Paralympicsteilnehmern

24.07.2017
Südniedersachsen

Die DOG Südniedersachsen bei den Deutschen Leichtathletik Meisterschaften 2017 in Erfurt

17.07.2017
Darmstadt

DOG-Beteiligung beim Sport- und Spielfest

17.07.2017
Berlin

degewo-Schülertriathlon 2017: Schule am Bienwaldring aus Berlin-Neukölln ausgezeichnet

10.07.2017
Aktuelles aus der Bundesgeschäftsstelle

Die Bundestagung der Deutschen Olympischen Gesellschaft e.V. findet am 21. Oktober 2017 im...

weitere News...

Rhein-Neckar

News vom 13.03.2017

Was verdient man im Internationalen Olympischen Komitee?

Beim Kaminabend der Deutschen Olympischen Gesellschaft sprach Prof. Michael Dinkel über Hintergründe zum Thema Finanzen


"Quo vadis, Olympische Spiele?", fragte Michael Dinkel bei seinem informativen
Vortrag im Olympiastützpunkt Rhein-Neckar.

Heidelberg. Olympische Spiele sollen möglichst nichts von ihrer Faszination verlieren, doch selbst Sportinteressierte wissen nicht so recht, wie sie funktionieren. "Was macht eigentlich das IOC mit seinen vielen Einnahmen?", so lautete die Fragestellung des Kurzvortrags von Prof. Dr. Michael Dinkel. Die Deutsche Olympische Gesellschaft Metropolregion, die sich die Vermittlung von olympischen Werten auf ihre Fahnen schreibt, hatte dabei erstmals zu einem "Kaminabend" in den OSP Rhein-Neckar nach Heidelberg eingeladen. Die Koordination der künftigen Vortragsreihe haben die beiden Ex-Hürdensprinterinnen Claudia Reidick (54, ehemals Zaczkiewicz) und Kirsten Bolm (41) übernommen.

Michael Dinkel (46), Studiengangsleiter für Messe-, Kongress- und Eventmanagement an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim, Kommunikationsberater und Fachbuchautor, fragte launig-provokant, "wem die Olympischen Spiele eigentlich gehören?" Es ist das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit dem Hauptsitz in Lausanne, das für die Organisation und Betreuung der Spiele mit seinen diversen Gremien verantwortlich zeichnet. Dinkel räumte hier mit dem gängigen Vorurteil auf, IOC-Präsident Thomas Bach aus Tauberbischofsheim, die Vorstände und die maximal 115 Mitglieder der Vollversammlung würden Unsummen verdienen. Es gäbe Aufwandsentschädigungen und Sitzungspauschalen für die meisten, lediglich der oberste "Olympier" Bach erhalte rund 220.000 Euro pro Jahr. "Das IOC funktioniert wie ein Verein und ist ein Stakeholder", sagte Dinkel.

Die Spiele an sich finanzieren sich dank der Sponsoren- und Medieneinnahmen selbst. Hauptproblem sind die Kosten für die Infrastruktur, die die entsprechenden Staaten und Regierungen leisten müssen. Beispiel London 2012: Knapp 3,2 Milliarden Euro an Einnahmen, 15,2 Milliarden Euro Gesamtausgaben (aufgesplittert in Organisations- und Infrastrukturkosten). Die Geldflüsse sind beeindruckend, doch tatsächlich stopft sich keiner die Taschen voll. "Man muss das System mit der globalen Brille betrachten", fordert Dinkel als Kenner von Großereignissen.

Die Einnahmen für die Olympischen Spiele basieren auf einem Vier-Säulen-Modell: "Broadcast, Sponsoring, Ticketing und Licensing", so die Fachtermini. Dabei ist ein klarer Trend erkennbar - der Anteil der TV-Gelder wird immer höher. Der amerikanische Fernsehsender CBS kontrolliert den olympischen Markt, und da unlängst ein neuer Megavertrag über 5,5 Milliarden Euro für den Zeitraum 2021 bis 2032 abgeschlossen wurde, dürfte sich das Ungleichgewicht eher verschärfen. "Es ist beängstigend, wenn CBS gefährlich dominiert", so Dinkel nachdenklich.

Es verwundert von daher nicht, dass zu Wochenbeginn die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ARD und ZDF keine Einigung mit dem Rechteinhaber Discovery über eine Sublizenz erzielten. Von 2018 bis 2024, angefangen mit den Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang sitzen ARD und ZDF nur noch in der zweiten Reihe …

Extrem amerikanisch und asiatisch geprägt ist auch das Sponsoring, wie sich an den Sommerspielen 2016 von Rio de Janeiro festmachen lässt. Die zehn größten Sponsoren stammten fast ausnahmslos aus den USA, Südkorea und Japan. 2020 in Tokio wird es nicht anders sein, hier kommen Bridgestone und Toyota hinzu, die Verträge bis 2024 unterzeichnet haben.

"Quo vadis, Olympische Spiele?", leitete Dinkel zu einer angeregten Diskussionsrunde vor 25 Gästen über. "Es ist auffällig, dass die meisten Demokratien die Spiele gar nicht mehr haben wollen", sagte er. Gerade München, Hamburg oder Berlin wären prädestiniert, Feuer und Flamme für Olympia zu sein. "Wenn es München 1972 nicht gegeben hätte, gäbe es auch diesen Olympiastützpunkt nicht", erinnerte OSP-Leiter Daniel Strigel an einen wesentlichen Zusammenhang aus regionaler Sicht.

Die Situation ist in Deutschland suboptimal. Es fließt viel zu wenig Geld ins Sportsystem und in die Förderung. Hinzu kommt der Aspekt, dass viele hoch qualifizierte deutsche Trainer nach der Wende ins Ausland abgewandert sind. Dadurch konnten andere Nationen leistungsmäßig aufschließen. Ob die anvisierte Spitzensportreform hier Änderung verschafft?

Einen interessanten Vorschlag zum Austragungsort warf Dinkel in die Runde: "Vielleicht muss man mal radikal etwas anders machen. Die alten Griechen waren ja nicht doof und haben die antiken Spiele immer am gleichen Ort veranstaltet." Eine olympische Kapitale wie London, Paris oder etwa Baku auf dem europäischen Kontinent? Effizienter, kostengünstiger und nachhaltiger wär’s in jedem Fall.

Wirkliche Sorgen um das Weiterexistieren von Olympischen Spielen muss man sich unterdessen nicht machen. "Die Ringe sind das weltweit bekannteste Markensymbol", verbreitete Michael Dinkel Optimismus. Finanzielle Akteure und Partner seien stolz, dabei zu sein. Die Zugehörigkeit zur olympischen Familie geht demnach weit über die Athletinnen und Athleten aus rund 200 Nationen hinaus. Ein prima und beruhigendes Zeichen für die Zukunft ...

Von Joachim Klaehn