Aktuelles

19.11.2017
Zum Volkstrauertag: Wider das Vergessen - Sportlerschicksale

Connollystrasse 31: Zum Gedenken an die Opfer des Terrors bei den Münchner Spielen von 1972

01.11.2017
Bundestagung

XXVII. Bundestagung der Deutschen Olympischen Gesellschaft in Darmstadt durchgeführt

22.10.2017
München

Stammtisch mit Olympiamedaillen-Gewinnern aus über 50 Jahren

29.09.2017
Südniedersachsen

30 Jahre DOG Göttingen / Südniedersachsen

18.09.2017
Paderborn

Viele Kontakte am DOG Stand Hochstift Paderborn bei der RIDERS TOUR 2017

weitere News...

Südniedersachsen

News vom 29.09.2017

30 Jahre DOG Göttingen / Südniedersachsen

Eine sportpolitische Podiumsdiskussion über die Zukunft des deutschen Leistungssports stand im Mittelpunkt der Feier, mit der die DOG Bezirksgruppe Göttingen/Südniedersachsen am 22. September 2017 ihr 30-jähriges Bestehen beging.

Die 1. Vorsitzende Petra Reußner konnte ca. 70 Mitglieder und Gäste im Haus des ASC Göttingen begrüßen, darunter auch die Gründungsmitglieder der DOG Bezirksgruppe Dr. Wolfgang Buss, Axel Endlein, Rolf Parr, Wolfgang Thielbörger und Ralph Weitbrecht, sowie den Vizepräsidenten der DOG, Norbert Lamp. Mit einer Schweigeminute wurde Prof. Dr. Gerhard Schwarz gedacht, der wenige Tage zuvor kurz vor seinem 100. Geburtstag verstorben war. Gerhard Schwarz war Gründungsmitglied und ist Ehrenmitglied der DOG und der Bezirksgruppe Göttingen/Südniedersachsen.

In ihrem kurzen Rückblick auf 30 Jahre DOG in Südniedersachsen verwies Petra Reußner auf die zahlreichen und vielfältigen Aktivitäten, die jetzt vollständig auf der überarbeiteten Homepage der Bezirksgruppe beschrieben sind (http://www.dog-suedniedersachsen.de). Neben allen Aktivitätsbereichen der Bundes-DOG setzt die Bezirksgruppe dabei mit sportpolitischen Foren, Modellprojekten zur Sportentwicklung, Auslandsexkursionen und Olympiafahrten sowie vielerlei kommunikativer Angebote eigene Schwerpunkte im Sinne der olympischen Bewegung.

Petra Reußner gab der Hoffnung Ausdruck, diese Entwicklung der Göttinger DOG auch in den kommenden Jahren fortsetzen zu können, sowohl als Teil einer sich bundesweit weiterentwickelnden DOG als auch als konstruktiver Teil der Sportentwicklung in der Region.

Der Vizepräsident der DOG, Norbert Lamp, überbrachte die Glückwünsche des Präsidiums und lobte die Entwicklung der Bezirksgruppe, die inzwischen mit mehr als 170 Mitgliedern eine wichtige Säule in der DOG-Gemeinschaft darstelle und in vielerlei Hinsicht auch Maßstäbe für die DOG setze.

Unter dem Thema „Welcher Sport ist noch bezahlbar? Die neue Leistungssportreform des DOSB“ diskutierten beim sportpolitischen Forum die international erfolgreiche Schützin, mehrfache Medaillengewinnerin bei den Paralympics und Mitglied der Athletenkommission des DSOB Manuela Schmermund, die Berliner Journalistin Bianka Schreiber-Rietig, die Pressesprecherin des DOSB Ulrike Spitz, der Göttinger Sportwissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Buss und der Göttinger CDU-Bundestagsabgeordnete und Mitglied im Sportausschuss Fritz Güntzler.

Die kompetente Expertenrunde diskutierte intensiv, aber auch kontrovers den Nutzen und die Nachteile der angestoßenen Reform, und beleuchtete kritisch sowohl den Verlauf der Reformbemühungen als auch deren Inhalte. Dabei gelang es dem Vorstandsmitglied Dr. Arne Göring als Diskussionsleiter in souveräner Form die unterschiedlichen Positionen der Diskussionsteilnehmer herauszulocken und den Blick vorrangig in die Zukunft auf die Umsetzung der Reform zu setzen.

v.l.n.r.: Ulrike Spitz, Fritz Güntzler, Dr. Arne Göring

Wie erwartet stellte Ulrike Spitz die aus Sicht des DOSB inzwischen erfolgreichen Bemühungen zur Umsetzung der Reform heraus, sah aber auch noch Verbesserungspotential insbesondere in der Kommunikation mit den Betroffenen. Das Ziel der Reform sei, über die Dachorganisation den Spitzenverbänden optimale Rahmenbedingungen für ihre Leistungsstrukturen bereitzustellen. Eine besondere Rolle kommt dabei der Neustrukturierung (Zentralisierung) der Olympiastützpunkte zu. Im Mittelpunkt der Visionen des DOSB sollen zufriedene Athleten stehen.

v.l.n.r.: Bianka Schreiber-Rietig, Prof. Dr. Wolfgang Buss, Manuela Schmermund

Als Mitglied der Athletenkommission kritisierte Manuela Schmermund vor allem die unzu­reichende Einbeziehung der Athleten und Trainer bei der Festlegung der Reform. Zudem sei die Reform aus betriebswirtschaftlicher Sicht gemacht, es gehe in erster Linie darum, Gelder neu zu verteilen. Wichtig sei aber eine frühe Förderung von Talenten. Von zentraler Bedeutung für die Athletinnen und Athleten sei die Absicherung der Lebens- und Entwicklungsbedingungen, damit der Kopf frei ist, um Höchstleistungen erbringen zu können.

Nach Ansicht von Bianka Schreiber-Rietig wurde aus den Fehlern der Vergangenheit nichts gelernt. Besonders fragwürdig findet sie, die sportliche Leistung vorwiegend über Medaillen zu definieren, da dies zu einem Leistungsdruck beim Athleten führe, der nicht mehr leistungsfördernd sein kann. Auch sie fordert, Trainer und Athleten in den Mittelpunkt der Reformbemühungen zu stellen.

Auf die Frage nach der Funktion des Leistungssports betonte Prof. Dr. Wolfgang Buss, dass dem Spitzensport eine Vorbildfunktion zukommt und dieser sich stimulierend auf den Breitensport auswirkt, der wiederum aus gesundheitlichen Gründen wichtig für die Gesellschaft ist. Der Breitensport wird aber nach Meinung von Wolfgang Buss nicht von der neuen Reform profitieren. Zudem führt die Zentralisierung der Olympiastützpunkte dazu, dass junge Athleten in vielen Fällen ihre Familie verlassen müssen. Die Reform müsste deshalb die Lebens- und sozialen Bedingungen der Athletinnen und Athleten in den Vordergrund stellen. Und dazu müsse der Staat viel mehr Geld investieren.

Als Bundestagsabgeordneter bemängelte Fritz Güntzler zwar die zu späte Beteiligung des Sportausschusses am Verfahren, sah aber die Reform als Grundlage, um die Bereitstellung der finanziellen Mittel für den Leistungssport rechtfertigen zu können. Um die Anfangsschwierigkeiten zu überwinden erscheint es ihm sinnvoll, neben dem DOSB auch andere Player in die Diskussionen und Entscheidungen einzubeziehen.

Wie zu erwarten war, führte die Diskussion zu keinem Konsens, gab aber den Zuhörern und Teilnehmern einen interessanten Einblick in ein aktuelles Hauptproblem des deutschen Sports.

Als Anschauungsunterricht für Leistungssport in kleinen Vereinen boten die Rope Skipper des TV Roringen 1928 e.V., die in diesem Jahr in Spanien an den Europameisterschaften teilgenommen haben, mit ihrer Leiterin Astrid Reinhardt den Teilnehmern der Jubiläumsfeier einen außergewöhnlichen Einblick in eine nur wenigen bekannte Sportart.

Viele Teilnehmer der Veranstaltung folgten der abschließende Einladung zu einem kleinen Umtrunk mit Imbiss, wobei zahlreiche Gespräche nicht nur zur Podiumsdiskussion, sondern auch zur Entwicklung der DOG und rund um den kleinen und großen Sport geführt wurden.