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News vom 24.10.2019

Doha – die WM mit zwei Gesichtern

Eine Leichtathletik-WM in einem Wüstenstaat – das gab es noch nie in der 36-jährigen Geschichte dieser Meisterschaften. Bereits im Vorfeld war die Vergabe heftig kritisiert worden:  gekaufte Spiele, Warnungen vor den Hitzefolgenden und Unsicherheit mit einem klimatisierten Stadion. Eine WM in einem Land ohne Leichtathletik-Kultur.

Es gab Probleme mit dieser WM, keine Frage, sie war aber nicht so schlecht, wie sie gemacht wird. Die Bilder, die hängen bleiben von Doha, sind die Bilder von den Wettbewerben draußen auf den Straßen, der Corniche: Gehen und Marathon. Hitzeschlachten mit kollabierenden Athleten. Hitzeselektion beim Kampf um Medaillen. Dies muss personelle Konsequenzen haben innerhalb der IAAF, für ein Versagen, das vorhersehbar war. Warum wurden die Straßenwettbewerbe nicht einfach aus dem Programm genommen? Die Bilder haben der Leichtathletik geschadet.

Das Bild in der Stadion-Leichtathletik war ein ganz anderes. Wolfgang Heinig, Trainer von Bronzemedaillengewinnerin Gesa Felicitas Krause („Die Weiße Kenianerin“), sprach stellvertretend für viele deutsche Athleten von einer „sehr guten Organisation“.

Die WM war für die Katari auch Entwicklungshilfe, von der sie lernen werden. Dass die Zuschauerränge in der ersten Wochenhälfte oft leer blieben, ist bedauerlich. Dass die Fernsehrechte im benachbarten, verfeindeten Saudi-Arabien lagen, ist unverständlich. Ohne TV-Bilder sind heute keine Menschen in ein Stadion zu locken. Ob die fehlende Leichtathletik-Kultur als Rechtfertigung dienen kann, dass die WM hätte nicht nach Katar vergeben werden dürfen, ist fraglich. Im Übrigen lief auch im Khalifa-Stadion öfter die Welle, das Stimmungsbarometer der Leichtathletik.  Mit Athleten aus über 203 Ländern ist die Leichtathletik die globalste aller Sportarten. Gerade auch deshalb muss die WM raus aus den temperierten Sesseln Europas und in Übersee.

Eine ganz positive Seite dieser WM muss erwähnt werden: mit ihrer großen Gastfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft haben die Kataris trotz Hitze und mit einem klimatisierten Stadion Freunde gewonnen bei dieser WM. Und Katar hat mit dem weltweit besten Sportzentrum ASPIRE uns Europäern gezeigt, wie man Weltklasseathleten hervorbringt. Der Hochspringer Mutaz Essa Barshim, zum zweiten Mal Weltmeister, ist ein Kind dieser Einrichtung, von der man hierzulande nur träumen kann.

Nach Doha kommt Tokio. Die Luftfeuchtigkeit ist dort viel höher als in Katar. Marathon und Gehen nach Sapporo verlegen? Das müssen Experten entscheiden. Ein klimatisiertes Stadion wie in Khalifa würde helfen, ist aber nicht da. Es waren neben den Leistungen der Athleten auch die konstanten Bedingungen, die dafür gesorgt haben, dass die WM in Doha die leistungsmäßig beste aller Zeiten war.    Sportmediziner haben sich auf einem „Hitzekongress“ in Doha folgerichtig mit dieser Thematik und damit der problematischen Seite der WM beschäftigt.

Ewald Walker