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News vom 10.08.2020

Zum Tod von Gunther Kaschlun

Gunther KaschunGunther Kaschlun hat sich um den Essener Rudersport und die DOG-Ortsgruppe Essen seit seinem Eintritt in die Ruderriege des Essener Turn- und Fechtclubs 1951 im Alter von 16 Jahren große Anerkennung und Verdienste erworben. Zunächst mit einer beispielhaften Karriere als Rennruderer, die ihn zum Start bei den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne führte, wo er nur durch widrige äußere Umstände das Finale verpasste.

Mehrere Deutsche Meisterschaften im Zweier mit Steuermann und im Vierer ohne Steuermann und 1957 die Goldmedaille bei den Europameisterschaften, damals dem weltweit höchsten Internationalen Ruderwettbewerb, in Duisburg belegen sein sportliches Talent und seinen Trainingsfleiß. 1960 verpasste er im Zweier mit Steuermann nach einer Rennfolge von Sieg zu Sieg, einschließlich der Deutschen Meisterschaft, im damaligen Ost-West-Ausscheidungsrennen nur durch unglückliche Umstände die Qualifikation gegen die späteren Olympia-Goldmedaillengewinner aus Gelsenkirchen.

Nach seiner sportlichen Karriere kehrte er als Schiedsrichter – später mit internationaler Lizenz – an die Regattastrecken zurück. 1974 wählten ihn die Essener Rudervereine zum Chef der Hügelregatten. Er  führte die Hügelregatten aus kritischer Lage wieder bis 1991 zu einer renommierten internationalen Regatta. Essen war darüber hinaus regelmäßig Gastgeber für Deutsche und Internationale Meisterschaften. Er verstand es, durch intensive, kontinuierliche und ideenreiche Arbeit nicht nur die weltbesten Mannschaften für den Essener Baldeneysee zu begeistern, sondern auch die Unterstützung vieler Persönlichkeiten aus Politik und Sportverbänden zu gewinnen.

Ein Stück Deutscher Sportgeschichte sind die Treffen von Sportlern und Funktionären aus der Bundesrepublik mit denen aus ehemals sozialistischen Ländern einschließlich der DDR in der Ruhrlandkaserne auf der Dilldorfer Höhe. Mit Stil und geschliffenen Worten in deutsch, englisch und französisch, gründlichen Sachkenntnissen und beispielhaftem Engagement wusste er seine Gäste bei jeder Gelegenheit zu beeindrucken. Unvergessen bleibt beispielsweise seine Initiative, die Ruder-Olympiamannschaft 1984 mit einem Empfang auf der Villa Hügel durch IOC-Mitglied Berthold Beitz auf die Reise zu schicken.  In kameradschaftlicher Verbundenheit gründete er mit dem Vorstand der Internationalen Wedau-Regatta die Regattakooperation Ruhr, durch die im jährlichen Wechsel eine Große Internationale Ruderregatta für das Ruhrgebiet auch in finanzieller Hinsicht gesichert werden konnte.

Dem Leistungssport blieb Gunther Kaschlun auch nach 1991 als Ehrenvorsitzender des Essener Ruder-Regattavereins eng verbunden, wie auch dem ETUF bis 2002 als Vorsitzender der Ruderriege.  Als DOG-Mitglied und regelmäßiger Teilnehmer der Veranstaltungen der Deutschen Sporthilfe hielt er die Kontakte auch zu Athleten anderer Sportarten. 

Gunther Kaschlun war ein eindrucksvolles Beispiel,  wie Leistungssportler sich nach ihrer Karriere mit ihrer Erfahrung dem Sport, ihrem Verband und ihrem Verein zur Verfügung stellen können. Für ihn war der (Ruder)Sport nicht nur Training, Wettkampf und Medaille, sondern eine lebenslange innere Verpflichtung und Bildung. 

Lang ist die Liste seiner Auszeichnungen, u.a. wurde er für seine Goldmedaille bei den Europameisterschaften beim 50. Jubiläum des DRV 1958 in Köln mit dem Silbernen Lorbeerblatt geehrt; die Plakette der Stadt Essen für hervorragende Sportführung erhielt er 1990; die Plakette für besondere Verdienste als höchste Auszeichnung des Deutschen Ruderverbandes für ehrenamtliche Tätigkeit auf dem Rudertag 1997 in Essen und die Sportplakette als ebenfalls höchste Auszeichnung des Landes NRW für Verdienste um den Sport.

Die DOG wird Gunther Kaschlun als zielstrebigen Mitstreiter in dankbarer Erinnerung behalten. Unsere Anteilnahme gilt seiner Frau Hildegard und seinem Bruder Walther.

Eberhard Wühle